Schwarzweiß oder Farbe?
Obwohl die heutigen Kameras, Wiedergabegeräte und Druckmaschen fast unendlich viele Farben produzieren können, ist doch die Schwarzweißfotografie nicht aus der Mode gekommen. Farben sind doch etwas traumhaftes, warum wird dann doch noch so viel in schwarzweiß fotografiert?
Dazu muss ich sagen, ich liebe ja beides. Schwarzweiß und Farbe. Vor allem in der Portraitfotografie kann man mit beidem so viel ausdrücken. Farben unterstreichen die Gefühle, die Atmosphäre, den Chrarakter. Aber trotzdem sind die ausdrucksstärksten Portraitaufnahmen oft Schwarzweißfotos.
Es kommt einfach immer darauf an. Ja ok - eh klar. Aber wie ich bereits in einem vorigen Blogartikel schon mal geschrieben hatte, ändert sich die Geschichte eines Bildes oft drastisch, wenn ich Farben dazu oder weggebe. Ganz einfach weil ich dadurch auch den Blick des Betrachters lenken kann. Mit starken Farben kann ich den Augenmerk auf etwas richten oder ein bestimmtes Gefühl ausdrücken oder auch ein bestimmtes Merkmal einfach nur dezent unterstreichen. Wenn ich in schwarzweiß fotografiere, lenkt zu einem großen Teil der Ausdruck bei einem Portraitbild den Blick oder auch - ganz technisch gesehen - der Punkt mit dem meisten Kontrast.
Mir gefällt ein BIld meistens dann, wenn es den natürlichen Ausdruck der Person am Portrait unterstreicht und verstärkt und ich das Gefühl habe, diese Person erzählt mir durch das Bild etwas über sich.
Ok, das ist jetzt etwas abstrakt. Aber vielleicht kann ich das ja mit Bildern noch ein bisschen besser beschreiben.
Der wichtigste Unterschied ist der Punkt an dem mein Blick in das Bild “einsteigt”. Das ist nämlich mein erster Eindruck. Das linke Bild ist durch die Komplementärfarben Rot und Grün sehr spannend. Am ehesten schaue ist zuerst ins Gesicht und die Haare. Dann sehe ich den Rest vom Bild an. Das Foto wirkt ausgewogen, ruhig, die Person auf dem Foto wirkt ernst, aber selbstsicher, sanft und ruhig.
Wenn ich auf das schwarzweiße Bild rechts sehe, fällt mein Blick sofort auf die Augen, ich finde der herausfordernde Ausdruck kommt hier viel mehr heraus. Die Sanftheit ist verschwunden. Generell ist das Foto völlig auf den Ausdruck reduziert, wirkt dadurch stärker - irgendwie wird die Geschichte ein ganzes Stück lauter erzählt.
Auch in diesem Beispiel ist die Blickrichtung der Fotos ähnlich. Das Bild in Farbe erzählt die Geschichte in diesem Fall aber irgendwie besser. Weil hier ist leiser besser ist. Der Ausdruck hier ist ganz ein anderer. Die Person wirkt einladend und glücklich, das kommt im Farbbild viel besser zur Geltung. Die Kraft und Stärke ist nicht im Vordergrund, die Sanftheit ist viel wichtiger.
Ich muss sagen, hier gibt es kein richtig oder falsch, das ist in meinem Fall mein Bauchgefühl. Jemand anderer mag da total anders empfinden. Klar ist nur, Farbe oder nicht Farbe macht einen gewaltigen Unterschied. Was gefällt euch besser?
Altes Wien…
Hab ich schon mal gesagt, dass ich meine Heimatstadt liebe? Ich denke schon. Wien ist auch richtig alt, der älteste Teil von Wien stammt bereits aus der Römerzeit. Seitdem ist so viel passiert. Die Stadt hat so einiges gesehen. Und das spürt man in jeder Gasse. So viel Geschichte. So viele Geschichten.
Hab ich schon mal gesagt, dass ich meine Heimatstadt liebe? Ich denke schon. Wien ist auch richtig alt, der älteste Teil von Wien stammt bereits aus der Römerzeit. Seitdem ist so viel passiert. Die Stadt hat so einiges gesehen. Und das spürt man in jeder Gasse. So viel Geschichte. So viele Geschichten.
Ich bin ja oft in der Stadt unterwegs und weil es so zur Stadt passt, nehme ich total gerne meine Analogkamera auf meine Streifzüge mit. Dann sieht man die Geschichte gleich noch viel besser. Noch mehr Charme, noch mehr Charakter. Ich finde die Analogfotos richtig zeitlos. Da ist es schwer zu erahnen, wann die Fotos aufgenommen wurden. Und ich habe verschiedene Kameras verwendet, eine selbstgebaute Twin Reflex Kamera, eine Olympus OM2 und eine Canonet QL17, immer auf Schwarzweißfilm. Das hat in Wien richtig was.
Und ich genieße das analoge Fotografieren so sehr, gerade auf meinen Spaziergängen. Es ist viel ruhiger, keine schnelle Jagd nach dem Motiv, weil das schnelle Foto gibt es da nicht. Man muss sich mit dem Motiv viel mehr auseinandersetzen und viel mehr auf die technischen Einstellungen achten. Was immer eine ganz tolle Übung ist. Für Achtsamkeit und Bildkomposition.
Hier seht ihr ein paar Fotos von ganz überall aus Wien. Bin gespannt, ob man erkennt, wo ich überall gewesen bin.



























Gleiches Motiv - andere Geschichte?
Wie viel macht eigentlich die Kamera aus? Also das Medium, mit dem man etwas aufnimmt. Kommt da immer die gleiche Geschichte heraus?
Wie viel macht eigentlich die Kamera aus? Also das Medium, mit dem man etwas aufnimmt. Kommt da immer die gleiche Geschichte heraus?
Ich hab das im letzten Urlaub mal getestet. An einem kleinen Strand in der Bretagne. Neue Kamera gegen alte. Digital gegen analog. Schwarzweißfilm gegen Farbe. Das Motiv war aber das gleiche. Das Ergebnis nicht. Aber woran liegt das?
Wie oft kommt es vor, dass zwei Menschen das gleiche sehen und sie erzählen komplett andere Dinge darüber. Man ist immer geprägt, durch die Erfahrungen, Werte und Einstellung, die man hat. In dem Bild, dass man sich von einer Szene macht, priorisiert jeder anders, jedem fällt etwas anderes auf. Jeder fühlt dabei etwas anderes.
So ist das natürlich mit Fotos auch. Unterschiedliche Fotografen machen von der gleichen Szene teilweise komplett unterschiedliche Bilder. Aber in dem Fall habe ich selbst alle Fotos gemacht. Trotzdem ist irgendwie das Mindset anders, je nachdem welche Kamera man in der Hand hat, durch welchen Sucher man schaut. Und dann funktioniert natürlich die Technik der Kamera auch anders, durch die unterschiedliche Darstellungen wirkt das Bild natürlich auch anders. Daraus resultiert, dass der Blick des Betrachters völlig anders durchs Bild geleitet wird.
In den Vergleichsbildern sieht man das total. Der erste Punkt im Bild den man betrachtet ist völlig unterschiedlich und der “Weg durchs Bild” ist auch anders. Ich hatte dadurch ein völlig anderes Gefühl, obwohl ich zwei Mal die gleiche Szene gesehen habe. Die Wirkung ist ganz anders. Einmal ruhiger, friedlicher, einmal kraftvoller. In einem werden die Strukturen deutlicher, im anderen überwiegt Form und Bildkomposition. Die Bilder erzählen quasi unterschiedliche Geschichte, da andere Dinge in den Vordergrund rutschen. Die Bildsprache ist eine ganz andere. In einem der Meerblicke wird für mich ganz viel Einsamkeit und eine gewisse Melancholie transportiert, das andere dagegen fühlt sich eher romantisch und friedlich an. Aber ich möchte euch gar nicht beeinflussen. Sehen tut nämlich auch jeder anders. Schaut mal, was ihr dazu denkt.
Technische Info: Die Schwarzweißbilder sind mit der Olympus OM2 mit einem Ilford HP5 Film aufgenommen, die Farbfotos mit der Canon EOS R6, beide mit 50 mm Brennweite.